Aus DiWa wird LiWa

LiWaEin Bericht aus der Zivi-Gruppe zum Pflegeeinsatz “lichter Wald” in Langnau-Gattikon

Als die Zivis der SWO Zivigruppen am Montag, Mitte Oktober, wie üblich einer nach dem andern aus allen Himmelsrichtungen im Cargogebäude eintrudelten und dort schon ein reges Treiben herrschte, liess sich bereits erahnen, dass für diese Woche ein grösserer Auftrag anstehen würde. Um was für einen Auftrag es sich genau handeln würde liess sich ausserdem am gepackten Werkzeug erahnen, welches an diesem Morgen in überdurchschnittlich grossen Mengen ins Auto verfrachtet wurde: Da waren vor allem Geräte wie Motorsägen, Motorsensen, Äxte, Sägen und Gabeln. Es sollte allem Anschein nach grobmotorische Arbeit folgen. Und so war es dann auch: Es stand ein Pflegeeinsatz “Lichter Wald” oder kurz LiWa an.

Am Einsatzort angekommen erhielten wir einen ersten Eindruck des Geländes, in dem wir die kommenden zwei Wochen mit Arbeit versorgt sein sollten: Ein dichter Waldrand (DiWa), der sich in einem Bogen als steile Böschung der Sihl und den Gleisen der Sihltalbahn entlangzieht. Alsbald wurde uns auch genauer erklärt, um was genau es bei einem Pflegeeinsatz LiWa geht. Unsere Aufgabe sollte es sein, einen Waldrand zu schaffen, in dem das Licht bis zum Boden durchdringen kann, in dem also keine dichten Stäucher und Gehölze mehr vorzufinden sind, sondern der so weit ausgelichtet ist, dass nur noch die für Flora und Fauna wichtigsten Pflanzen und Gehölze stehen. Diese Form des Waldrandes stellt einen wertvollen Lebensraum für viele Tiere wie verschiedene Schmetterlings-, Falter-, Amphibien- und Vogelarten dar.
Unsere Arbeit belief sich also auf des Herausschneiden eines Grossteils der mittelgrossen und schnellwachsenden Sträucher wie Hasel, Ahorn, oder Hartriegel. Wertvolle früchtetragende Sträucher wie Vogelbeere oder Schneeball blieben stehen. Die jüngeren Stöcke bis ca. Fünfliber-Durchmesser wurden dabei mit der Motorsense und Sträucher mit grösserem Durchmesser mit der Motorsäge oder vereinzelt mit der Axt kupiert. Anschliessend wurde das geschnittene Material von Hand, mit Rechen und Gabel zusammengetragen und auf Asthaufen gestapelt. Diese Asthaufen stellen wiederum einen wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tierarten wie die Waldeidechse, die Ringelnatter oder den Igel dar.
Das schwierige Element bei der Arbeit in Gattikon war eindeutig das steile Gelände der Böschung. Stellenweise musste sich die mähende Person selbst mit dem Kletterseil abseilen, da aufgrund der Neigung nicht mehr genügend Halt zu finden war. Auch für unser Material stellte das unwegsame Gelände eine Herausforderung dar. Zusammen mit etwas Pech sorgte es nämlich für insgesamt vier Defekte an unseren Motorsensen und somit für einige notfallmässige Besuche beim Landmaschinenmechaniker. In den besonders schwierigen Passagen waren wir froh, auf die Hilfe der lokalen Förster zurückgreifen zu können, mit denen gemeinsam wir diesen Pflegeeinsatz durchführten. Trotz, meiner Auffassung nach minimaler Kommunikation im Feld, stellte sich diese Zusammenarbeit als sehr effizient und reibungslos heraus.

Obwohl die Arbeit mit den schweren Maschinen wohl nicht zu den Liebsten der SWO-Zivis und Einsatzleiter gehört, sind diese zwei Wochen wie im Flug vergangen und ich persönlich muss entgegen meinen anfänglichen Erwartungen sagen, dass ich das Arbeiten in der Böschung von Gattikon als sehr lehr- und abwechslungsreich empfunden habe. Zudem handelt es sich um eine Arbeit, bei der noch mehr als sonst eine direkte Rückmeldung in Form des klar sichtbaren und erst noch schön aussehenden Arbeitsergebnisses besteht: Einem lichten Waldrand wo der Wald zuvor eine dichte unüberwindbare Wand darstellte.

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