Rückblick in die Winterarbeit: Bachufer- und Heckenpflege in Hedingen

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Rückblick in die Winterarbeit: Bachufer- und Heckenpflege in Hedingen

Erfahrungsbericht von Fabio Höhener

Abschnitt um Abschnitt zu einer grösseren Artenvielfalt

Ankunft in Hedingen. Vor dem Hof von Hans-Peter Hedinger sammelt der Hahn mit lautem Gekrähe die entlaufenen Hühner ein, gleichzeitig formieren sich die sieben Zivildienstleistenden der Stiftung für Wirtschaft und Ökologie (SWO) um ihren Einsatzleiter. Vor Arbeitsbeginn wird der Auftrag und das Tagesziel erläutert: „Wir wollen heute wieder Wucher-und Problemarten wie Roter Hartrigel und Brombeeren mit Wurzeln ausstocken, die vielen Haselsträucher gilt es mit der Motorsäge auf den Stock zu setzen.“ Der Einsatzleiter kann sich kurz halten, bereits seit einer Woche arbeiten die Zivis am Ufer des Hofibachs und wissen, was es zu tun gibt. Abschnitt um Abschnitt soll die ufernahe Hecke ausgeholzt werden. Die zum Teil intensiven Abschnittsrodung erfolgt nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern hat die Erhaltung und Erweiterung der Artenvielfalt zum Ziel. Im Jahr 2012 wurde in Hedingen ein Revitalisierungsprojekt ausgearbeitet, welches vorsieht, den Hofibach zu renaturieren. Um die Nachhaltigkeit einer Renaturierung oder Revitalisierung zu gewährleisten, ist eine wiederkehrende Bach- und Heckenpflege unabdingbar.

Ausholzen der Hecke

Die Theorie sieht es vor, dass die Pflegeeingriffe abschnittweise zu erfolgen haben. Wird der gesamte Gehölzstreifen des Baches auf den Stumpf gesetzt, wird die Vielfalt reduziert und Tiergemeinschaften verdrängt. Heute soll die Arbeit in einen neuen Pflegeabschnitt weitergeführt werden. Schnellwachsende Gehölze werden mit einem Stockschnitt verjüngt. Gerade Hartriegelarten, Haselsträucher und Jungeschen sollen ausgestockt bzw. auf den Stock gesetzt werden. Das Ausholzen verhindert das Verbuschen und Verwalden der Hecke und fördert die seltenen, schwachwachsenden einheimischen Arten, die so wieder zu Sonnenlicht kommen. In dem die Zivis einheimische Sträucher wie Schwarzdorn, Kreuzdorn oder Pfaffenhütchen stehen lassen, entsteht eine strukturreiche Hecke. Diese Sträucher und Bäumen bieten zahlreichen Tierarten Schutz und Lebensraum. Das Schnittgut wird von den Zivildienstleistenden aus dem Bachbereich geschleppt und zum Häckseln und Abführen am Strassenrand gestapelt. Hin und wieder bietet es sich an, aus dem Fall- und Schnittholz Asthaufen anzulegen. Diese Kleinstrukturen werden von Reptilien wie Zaun- und Waldeidechsen, Schling- und Ringelnattern bewohnt. Igel und Hermelin wiederum finden Unterschlupf und Ruhezonen für ihren Tages- und Winterschlaf.

Eine weitere artenvielfaltfördernde Struktur ist das Totholz. Totholz ist ein charakteristisches Merkmal natürlicher Landschaften und Wälder. Darunter versteht man abgestorbene Bäume oder Teile davon, die sich mehr oder weniger schnell zersetzen. Je nachdem, ob die abgestorbenen Bäume noch stehen oder bereits umgestürzt sind, spricht man von stehendem oder liegendem Totholz. Diese Kleinstruktur ist als Lebensgrundlage tausender Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Flechten ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. Um diese Struktur zu fördern werden nicht alle Bäume, die man ausholzen will, gefällt und abgeführt, sondern können geringelt werden. Von Ringelung spricht man, wenn ein mehrere Zentimeter breiter Streifen der Rinde am unteren Teil des Stammes eines Baumes oder Strauches ringförmig entfernt wird. Ein Zivi löst dabei mit einem Gertel die Rinde bis und mit dem Kambium, so dass der Saftstrom des Baumes unterbrochen wird. Damit wird der Stoffwechsel zwischen Stamm und Wurzeln gestoppt und in Folge stirbt der Baum ab und bietet Vögeln, Insekten und kleineren Säugetieren Nahrungsquelle und Unterschlupf.

Pflege der Kopfweiden

Entlang der Uferlinie sind einige Kopfweiden zu finden. Die Ruten der Weiden wurden für die Korbflechterei oder in Verbindung mit Lehm als Baumaterial für Häuserwände benutzt. Heute ist die wirtschaftliche Nutzung uninteressant, da sich industrielle Ersatzprodukte durchgesetzt haben. Aus diesem Grund erhalten Kopfweiden nur noch selten die nötige Pflege. Für den Naturschutz wiederum sind die Kopfweiden von grosser Bedeutung. Sie eignen sich zur Gewässerbeschattung und dienen als Lebensraum zahlreicher Tiere. Auch am Ufer des Hofibachs erhalten die Kopfweiden die nötige Pflege. Dazu zwickt ein Zivi mit einer Rebschere sämtliche Seitentriebe des Stammes ab. Dieses „Aufasten“ soll die Triebe im Kopfbereich der Weide begünstigen. Im obersten Kranz der Weide werden die Ruten ebenfalls mit der Rebschere oder bei dickeren Exemplaren mit der Astschere oder dem Fuchsschwanz geschnitten. Der Zivi achtet darauf, dass er den Schnitt möglichst nah am Stamm ansetzt. Damit die Wunden schnell verheilen, sollte man beim Schnitt lieber etwas Rinde mitnehmen und keinesfalls einen Stummel stehen lassen. Ein sauberer Wundverschluss, verhindert das Eindringen von Pilzen, welche dem Baum schaden könnten. Hier am Hofibach bleiben nach der Pflege bei allen Weiden im Kopfbereich zwei bis drei Ruten stehen. Diese wurden vom Zivildienstleistenden nicht vergessen, sondern absichtlich nicht geschnitten. In dem er einige gesunde Zweige stehen lässt, sollte der erneute Austrieb gewährleistet sein.

Ziel erreicht – Vielfalt gestärkt

Am Ende des Tages können die Zivis und ihr Leiter stolz auf die geleistete Arbeit sein und auch vom Gebietsbetreuer gibt es ein dickes Lob. Sie haben ihr Tagesziel erreicht und in diesem Abschnitt mit einer gelungenen, ökologisch sinnvollen Pflege die Strukturen und Rahmenbedingungen für die Stärkung der Artenvielfalt setzen können. Nachdem der Einsatzleiter die ausstehenden Aufgaben erläutert hat, macht sich die Gruppe erschöpft, aber zufrieden auf den Heimweg. Morgen erwartet sie der nächste Pflegeabschnitt am Hegibach in Hedingen.

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